Predigten zum Nachlesen...
Predigt 23.11.2025 (Johannes 5, 25 - 29)
24Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 25Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören, die werden leben. 26Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber; 27und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. 28Wundert euch darüber nicht. Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, 29und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.
Liebe Gemeinde,
heute steht ein Zweifaches vor uns: Erinnern und Gedenken.
Wir uns erinnern uns an die Menschen, die im letzten Jahr aus unserer Kirchengemeinde verstorben sind. Menschen, die wir kannten. Aber vor allem Menschen, die Euch, ihren Liebsten, wichtig und bedeutsam waren. Und so erinnern wir uns an nicht irgendwelche Menschen, sondern wir erinnern uns an Partner und Partnerinnen, Väter und Mütter, Großväter und Großmütter, Kinder, Freunde. Menschen, die uns lieb und teuer waren und die wir loslassen mussten.
Aber nicht nur an Sie erinnern wir uns allein, sondern auch an diejenigen, die vor ihnen gegangen sind und diejenigen, die nicht in unserer Gemeinde verstarben.
Heute hat die Erinnerung hier ihren Platz.
Erinnern tut gut. Sie macht uns zwar auf der einen Seite bewusst, was wir verloren haben. Und doch eröffnen sie uns einen Blick für die Zukunft: Sie zeigen uns die Richtung, was uns wichtig ist. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, was uns wertvoll geworden ist, was an Wertvollem entstanden ist, und die Aussicht in die Zukunft eröffnet die Möglichkeiten, was aus dem Wertvollem der Vergangenheit noch werden kann.
Nicht nur die Erinnerungen an die Verstorbenen leben mit Euch weiter. Es ist auch das, was Ihr gemeinsam geteilt haben, was heute noch da sein kann: Kinder, gemeinsam Erreichtes, Freunde oder auch Werte, die Ihr geteilt habt. Die erlebte Vergangenheit prägt die Zukunft und lässt an dem Guten festhalten.
Aber wir Erinnern uns heute nicht nur an die Menschen, von den wir uns verabschiedet haben, sondern wir Gedenken heute auch der Endlichkeit des irdischen Lebens, ein Schicksal, das wir alle miteinander teilen. Wie wir mit diesem Schicksal umgehen, entscheidet darüber, wie wir unser Leben sehen, wie wir mit den Abschieden des Lebens umgehen können und was wir mit dem, was hinter dem Tod liegt, verbinden.
Der Apostel und Evangelist Johannes überliefert Worte Jesu, die von dem, was hinter dem Tod liegt sprechen: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“
Das Wort Jesu, dass vom Tod zum Leben führt. In dem der Tod seine Macht verliert und zum Leben wird. Kein Leben wie jetzt, das unter dem Nachzeichen des Todes steht, sondern ein Leben, das unter dem Vorzeichen der Überwindung des Todes steht. Ein Leben in der Ewigkeit. Nicht mehr, nicht weniger verspricht Christus den Menschen, die an ihn glauben. Der Tod verliert die Macht über das Leben, weil dort das Leben nicht zum Ende kommt, sondern der Tod im Sterben überwunden wird, in einer Verwandlung zum Ewigen. Damit bleiben zwar Abschied und Trauer, und doch werden Sie ergänzt über den Trost, dass dort hinter dem Tod etwas Neues begonnen hat und mit uns auch wieder beginnen wird: die Verwandlung zu einem Leben in Ewigkeit, gelöst von dem Schweren der jetzigen Existenz, hin zu einer Lebendigkeit, die mit unseren begrenzten Maßstäben kaum vorzustellen ist.
„Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben“. Mit diesem Versprechen sind wir im christlichen Glauben an Jesus gebunden. Er hat uns, seiner Gemeinde, dieses Versprechen geben. Nicht ein Pfarrer, nicht die Kirche, nicht der Papst hält diese Versprechen in der Hand, sondern Christus, der Herr der Kirche, selbst. Aber auch keine ominöse Macht, keine wabernde Spiritualität, keine unpersönliche Gottheit, sondern Christus, Person geworden in einem Stall in Bethlehem, verklagt von seinen Glaubensgenossen, ans Kreuz geschlagen von den Heiden, doch am dritten Tage auferstanden von den Toten und aufgefahren in den Himmel. Jesus Christus ist mit seinem Leben, Sterben und wieder Eintreten ins Leben zum Vorbild unserer Lebendigkeit geworden. Von seiner Verheißung, die sich in seiner Biographie verwirklicht hat, hängt unser Glauben und unsere Hoffnung.
Die Person Jesus Christus wird somit zum Inhalt und Garanten unseres christlichen Glaubens. Schwer zu glauben und darauf zu vertrauen, dass ein Mensch, dieses göttliche Wesen ist, in dem der Tod überwunden sein soll. Dies zudenken und zu begründen war die schwerwiegende und bewegende Frage der Kirche, die sie neben dem Aufbau der neuen kirchlichen Strukturen und der Verfolgung im römischen Reich, die die ersten vier Jahrhunderte bestimmte.
Christus, wurde im Menschen Jesus und Sohn Gottes denkbar, als Garant des ewigen Lebens und der Überwindung des Todes. Christus, keine göttliche Gestalt, sondern ein anfassbarer Mensch, der seinem zweifelnden Jünger Thomas die Wundmale seiner Kreuzigung zur Berührung anbot. Fassbar und konkret ist uns der Sohn Gottes geworden. Und er darf dort glaubhaft und konkret werden, wo wir uns in Leid und Trauer befinden. An ihm dürfen wir uns festhalten, weil er den Weg durch das dunkle Tal vor uns gegangen ist. Wir dürfen Gott sagen, Jesus ist das konkrete Beispiel und Vorbild, das für unser Leben und alles was dazu gehört gilt. Darauf verlassen wir uns. Und daran wollen wir ihn, Gott, messen. Mit Jesus hat uns Gott einen tatsächlichen Maßstab in die Hand gelegt, konkret. Keine wachsweiche Gnade, die mal gilt und dann wieder nicht, sondern eine verlässliche Zusagen.
Der Apostel Paulus hat in ähnlicher Weise über die Auferstehung Christus von den Toten im ersten Brief an die Korinther gesprochen: „14Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich... 16Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. 17Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig.“ (1Kor 15).
„Wer mein Wort hört und glaubt“. Was ist nun dieses Wort Jesus, dem geglaubt werden soll und auf dem die Verheißung liegt? Ist es ein Wort, ist es eine Rede, ist es gar die Person Jesu selbst? Beim Evangelisten Johannes ist hiermit genau diese Spannbreite der Bedeutung dieses Satz angelegt. Sein Evangelium beginnt mit „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ (Joh 1,1) und dieses Wort wird immer mehr auf die Person Jesus hin konkretisiert. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14). Jesus das Wort Gottes, Christus, der die Worte Gottes spricht, der Sohn Gottes, der zum Garanten des Lebens wird.
Christus als das zu uns gesprochene Wort Gottes wird durch seinen Leben, seine Taten und seine gesprochenen Worte zur Verheißung des Lebens. Die Ewigkeit ist nur eine Handbreit entfernt, dort wo die Menschen, die wir heute schmerzlichst vermissen schon sind, dort wo auch wir hingehen werden und wieder mit Ihnen vereint sind, und Jesus garantiert uns den Weg. Auf ihn können wir uns bei Gott berufen. Er wird uns zum Vorbild, nicht in dem was wir tun müssten, sondern, was durch ihn geschehen ist, dass es auch mit uns geschieht.
Liebe Gemeinde,
Tod, Schmerz und Verlust sind nur schwer zu tragen. Einen billigen Trost soll und kann es nicht geben. Jesus, der für unsere Hoffnung steht, soll uns nicht gefühllos machen, für die Trauer des Abschieds. Und doch ist Christus eben die Hoffnung, die hinter der Trauer steht. Die uns vermissen und weitergehen lässt, die uns in der Niedergeschlagenheit aufstehen lässt, die uns trotzt aller menschlicher Unsicherheit mit Freude auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit blicken lässt.
Trauer, Zweifel und Glauben gehören zusammen, überwinden können wir diesen Dreiklang von uns aus nie, und doch lasst uns dem Vertrauen der Garant unserer Hoffnung sein möchte: Jesus Christus.
Amen.
Predigt 15.11.2025 (Hiob 14, 1-6 + 13 - 17)
1Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, 2geht auf wie eine Blume und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. 3Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, dass du mich vor dir ins Gericht ziehst. 4Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer! 5Sind seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann: 6so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut. 13Ach dass du mich im Totenreich verwahren und verbergen wolltest, bis dein Zorn sich legt, und mir eine Frist setzen und dann an mich denken wolltest! 15Du würdest rufen und ich dir antworten; es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände. 16Dann würdest du meine Schritte zählen und nicht achtgeben auf meine Sünde. 17Du würdest meine Übertretung in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen.
Liebe Gemeinde,
wir haben heute schon einiges gehört vom Frieden und vom Krieg. Und wir wissen viel, haben viel darüber nachgedacht. Keine und Keiner von uns hat den Beginn des Krieges in der Ukraine mit Jubel begleitet und niemand hat den Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober vor über zwei Jahre freudig begrüßt. Die Nähe des Krieges hat uns geängstigt, die Brutalität, wie Menschen mit Menschen umgehen, hat uns entsetzt. Da war keiner unter uns, der sich diesem nicht entziehen konnte.
Und dies sind nur zwei der kriegerischen Konflikte, die… – wenngleich prominent und regelmäßig in den Medien sind – die die Erde heimsuchen.
Warum tun wir uns Menschen nur das an? Frieden, den wollen wir doch alle. Ausnahmslos. Wir wollen ein friedliches Leben. Mit unseren Familien in Sicherheit leben und nicht von Ort zu Ort fliehen müssen. Wir wollen mit unseren Nachbarn kooperieren. Das gilt für alle Ebenen vom Leben im Dorf, zwischen den Kommunen bis hoch zu den Nationalstaaten.
Was hält uns davon ab? Ist es unser Egoismus? Der Drang dem Mitmenschen nicht mehr zu gönnen, als man auch selbst bekommen hat? Ist es die Gier nach Macht? Sind es einzelne, die ein System sprengen oder sind es alle, wo nur ein Funke das Feuer des Unfriedens entfacht?
Ist es die Unruhe des Menschen, von der Hiob spricht, und dem Bewusstsein, dass er nur eine kurze Lebenszeit hat, in welcher der Mensch, wir, seine Lebensziele verwirklichen kann? All das wenig, was er, der Mensch hat, und das viele, das er sich wünscht, eingesperrt in die wenigen Jahre, über die er verfügen kann.
Zufriedenheit, dies wäre ein Anfang. Der Tagelöhner, von dem Hiob spricht, hat nur genug für jeweils einen Tag und er freut sich auf den einen Tag, an dem er einmal Ruhe hat von der ewigen Plackerei.
Der Tagelöhner kann nicht zufrieden sein, da er seinen Lohn zum Überleben braucht. Er kann keine Ruhe finden, weil er erst Ruhe findet, wenn er in die ewige Ruhe eingeht.
Zufriedenheit ist für die, die es sich leisten können ein Anfang. Aber für die, die es sich nicht leisten können oder leisten wollen, keine Option.
Können wir es uns leisten zufrieden zu sein, um für den Frieden einzutreten? Wollen wir zufrieden sein?
Zufrieden sein bedeutet auch mit etwas zum Frieden gekommen zu sein. Etwas liegt mir in ausreichendem Maß vor, gehört mir. Das muss aber nicht für jeden Menschen gelten.
Unzufriedenheit ist manchmal ein Phantomsymptom. Weil uns etwas Essentielles fehlt, meinen wir es mit Dingen füllen zu müssen, die aber das Loch in unserem Leben, vielleicht auch in unserer Seele, nicht kleiner werden lassen.
Frieden scheint weit weg in unserer Zeit, in unseren Leben. Unfrieden prägte auch unsere Geschichte. Zeugnisse von Krieg und Gewalt, denen haben wir uns heute am Denkmal, und in ihren desaströsen Auswirkungen auch in den Lebenszeugnissen aus dem Holzland erinnert.
Es bleibt eine Aufgabe und eine Verantwortung für uns als Gesellschaft sich diesen Tendenzen der Friedlosigkeit entgegen zu stellen. Eine nahezu unmögliche Aufgabe, weil es keine einfachen Lösungen gibt. Ursachen, wie eine gerechte Verteilung von Reichtum, menschlicher Egoismus und Machtwille, sind kaum zu fassen und Auswirkungen, wie die militärische Verteidigung, die Belastung durch Aufnahme von Flüchtlinge und eine konsequente Integration, sind nur mit hohem Einsatz zu leisten.
Für den Frieden einzustehen bedeutet für uns als Gesellschaft in Deutschland einen Einsatz den wir nur gemeinsam schaffen können und wollen. Jede und jeder, die nur sich allein sehen, schaden am Ende nur. Jede und jeder, die die Probleme klein reden und vorgeblich einfache Lösungen anbieten, verstärken nur unseren Egoismus und das allgemeine Wegducken, was wir uns in keine Richtung mehr leisten können.
Vielleicht sind wir doch die Tagelöhner, die sich beim Frieden keinen Tag der Ruhe gönnen können. Die nicht zufrieden mit dem erreichten sein wollen.
Für Hiob ist aber dort die Reise das Tagelöhners noch nicht zu ende. Nicht die alltägliche und lebensbestimmende Plage ist das Ziel der Reise, sondern die Ruhe. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel, an dessen Verwirklichung wir uns im Diesseits bemühen, ist der Abglanz dessen, was wir uns in der Ewigkeit erhoffen. Im Buch des Predigers steht an einer Stelle, Gott habe dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt (Pred 3,11) und so auch den Frieden, den wir dort erwarten dürfen. Kein starres System ideologischer Prägung, kein wohliges Gefühl, sondern eine Sehnsucht, die uns vorantreibt, die mehr an uns als an dem anderen wirkt. Eine Sehnsucht, die uns aus dem Herzen spricht, und die, wenn wir aufmerksam zuhören, über den begrenzten Horizont unseres Lebens auf den ewigen Gott hinausweist.
Amen.