Predigten zum Nachlesen...
Predigt 24.12.2025 (Hesekiels 37,24-28)
24 Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.
25 Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein. 26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer. 27 Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein, 28 damit auch die Völker erfahren, dass ich der Herr bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird.
Liebe Gemeinde,
Weihnachten. Da kribbelt etwas, insbesondere bei den Kindern. Ihr wisst, heute ist ein besonderer Tag. Vielleicht mit Geschenken, vielleicht mit Gästen, vielleicht mit etwas längerem Aufbleiben als sonst. Eine Spannung, die nur schwer auszuhalten ist. Und ihr sitzt hier in der Kirche in der Bank und wisst ihr müsst nur jetzt noch abwarten bis alles fertig ist, dann geht es nach Hause oder wo anders hin. Egal. Vorfreude.
Und bei uns Erwachsenen ist vielleicht ähnlich. Zumindest aber noch können wir uns daran erinnern, wie uns auch dieses Kribbeln am Weihnachtstag befiel. Heute sind wir Erwachsene vielleicht etwas abgeklärter, lassen uns die Vorfreude nicht so anmerken, freuen uns mit den Kindern und Enkeln. Wir wissen aber natürlich wie viel Arbeit diese Weihnachtstage machen: Kochen, Putzen, Einkaufen, Vorbereiten, Schmücken, die Kinder unterhalten und dann noch schnell in die Kirche. Vielleicht aus Tradition, vielleicht aus dem Bedürfnis noch vor dem Trubel einige Minuten der etwas unruhigen Ruhe hier zu erleben, vielleicht einfach um einfach noch mal dem romantischen Gefühl des vergangenem Erlebten nachzuspüren, vielleicht aus tiefer Spiritualität. Ihr seid auf jeden Fall hier, ob nun entspannt oder unter Stress. Ihr habt euch mitgebracht, vielleicht noch Familie, seht Freunde und Bekannte, oder seid das erste Mal hier oder nur auf Besuch. Alles möglich.
Und das macht den Abend heute eigentlich schön. Wir sind alle hier, mit unterschiedlichen Geschichten, mit unterschiedlichen Erwartungen, aus Geiselberg oder wo anders, treffen uns hier um den Heiligen Abend zu feiern. Den Tannenbaum leuchten zu sehen, Musik zu hören, vorne an der Krippe zu stehen.
Weihnachten feiern. So unterschiedlich wie wir nun einmal sind. Mit vielem Schönen, manchmal etwas romantisch verklärt und mit Konsum überzogen, da muss man glaube ich nicht mehr als auf die saisonale Werbung im Fernsehen verweisen.
Und gerade mit diesen romantischen Bildern von unserem inneren Auge, kann dann das Weihnachtsfest wie ein Brennglas auf die Wirklichkeit des eigenen Lebens wirken. Es ist halt eben nicht alles perfekt. Die Dekoration ist zu wenig; nicht die gewünschten Präsente bekommen und dann die daraus entstehende Enttäuschung aushalten zu müssen; in den Beziehungen wird nicht unbedingt das Fest des Friedens gelebt, sondern sie gehen weiter wie im Rest des Jahres; falls jemand nicht sowieso einsam und allein das Fest verbringt, weil das auch schon das ganze Jahr so war.
Und ich sage Euch, das ist nicht Schlimm, wenn wir nicht das perfekte Fest verbringen, wenn wir eben nicht alle Erwartungen erfüllen, wenn es doch weiterhin menschelt. Das super tolle Weihnachtsfest, das ist möglicherweise unser Bedürfnis und wird uns überall so erzählt, dass es so sein müsse und man hier dieses und jenes kaufen könne, damit es so wird, aber ehrlicherweise wissen wir doch fast alle, dass Weihnachten zwar etwas besonders ist, doch nicht in dieser Perfektion.
Das erste Weihnachten, das war ebenfalls weit weg von perfekt. In einem zugigen Stall, weil die Dorfherberge überbucht war; zwischen Ochs und Esel, weder sauber noch geputzt und ganz sicher nicht steril, wie es für eine Geburt besser gewesen wäre. Und dann, als das Kind da war, da ist eine erschöpfte Maria und ein Josef, der irgendwie bei der Geburt assistiert hat. Und auch damals war es nicht so, dass Männer sich mit dem Frauenkram irgendwie gut ausgekannt hätten. Froh und erleichtert waren beide sicherlich, die Geburt gut überstanden, das Kind gesund und schläft, aber sicherlich keine Partystimmung.
Die Weihnachtsfeier beginnt erst als die Engel den Hirten erscheinen, sie nach Bethlehem schicken. Und dann, so schreibt es der Evangelist Lukas: „13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:?14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Luk 2) Die Engel sind es, die feiern. Ein göttlicher Impuls, der die Hirten aus ihrem Alltag holt und zum Messias an die Krippe bringt.
Ähnlich versammeln die meisten von uns sich heute und morgen um den Weihnachtsbaum. Symbolisch beladen mit bunten Kugeln, Strohsternen, Lametta und noch mehr. Und unter dem Weihnachtsbaum die Geschenke, gebracht und verpackt von den Händen eifriger Weihnachtsmänner und Weinachtsfrauen. Das größte Geschenk, das hat wie bei der ersten Weihnacht Gott dazu gelegt, es ist das Weihnachtsgeschenk, das nicht Perfektion verlangt, sondern das du da bist; es ist kein Anspruch an Dich, sondern das Gott dich liebt; es ist Geschenk, das wir nicht kaufen können, sondern die Botschaft, dass in diesem Kind, Gott mit uns gut wird. „Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein,“ so hat es schon der Prophet Ezechiel über dieses Jesus Kind gesagt.
Unsere Weihnachtsperfektion wird mit Gottes Geschenk unter Weihnachtsbaum zum Weihnachtsleben, in dem wir so sein dürfen, wie wir das ganze Jahr sind, in dem unsere Erwartungen, die wir an andere und vor allem an uns selbst stellen, auf ein realistisches Maß reduziert werden können, und unser Bemühen auch mal der Entspannung weichen darf. Und vielleicht reicht dann das Weihnachten, an das wir uns erinnern wollen und das so ganz anders war, nicht nur in den heutigen Festtag, sondern auch darüber hinaus und begleitet uns als Gottes Geschenk durch das kommende Jahr. Und das wünsche ich Euch von Herzen.
Frohe Weihnachten.
Amen.
Predigt 7.12.2025 (Lukas 21,25-33)
25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist. 31 So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. 32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. 33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.
Der alte Mann, Herr Meyer, ging gebückt an seinem Stock in den Park. Seine Kleidung dem herbstlichen Wetter angepasst: Festes Schuhwerk gegen die Feuchtigkeit; eine grüne Wollhose, die ihn schön warm hielt; seinen hellbraunen Mantel, der ihn gegen Kälte und Wind schütze; und seinen Hut, der alles von oben abhielt. Herr Meyer setzte sich auf eine Bank. Dort, wo er immer saß, um über das Leben und seine Bedeutung zu sinnieren. Heute dachte er über den Herbst nach, die fallenden Blätter und deren Bedeutung für das Leben. Die Person, die sich neben ihn setzte, beachtete er wie so oft nicht. Später konnte er sich lediglich noch an die Farbe ihrer Schuhe erinnern, rot, und an ihre Stimme, angenehmen.
Mehr zu sich selber sprach er: „Was ist eigentlich Erlösung?“
Sie antwortete ihm, als wenn sie sich zu diesem Gespräch verabredetet hätten: „Es kommt darauf an, wie Sie Erlösung verstehen möchten.“
„Was meinen Sie damit?“
„Soll dieses etwas, von dem Sie erlöst werden möchten, verschwinden oder besser werden?“
Herr Meyer war interessiert, soweit hat er noch gar nicht gedacht. Bisher war seine Vorstellung eher geprägt von seinen Wehwehchen, die allgemeinen menschlichen Konstitution und der weltweiten politischen Situation geprägt. Alles, was ihn eher unzufrieden werden ließ, und er sich von diesem eine Erlösung wünschte, war für ihn nicht mehr als ferne Utopie, weniger eine reale Möglichkeit, über die es sich lohnt nachzudenken.
„Erklären Sie mir die Unterschied“, fragte er seine Gesprächspartnerin.
„Sehen Sie den Herbst“, begann sie oder er nickte eher beiläufig, „der Herbst ist mit seiner kühle die Erlösung von der Hitze des Sommers. Eine Erlösung, die in manchen Erdteilen stärker empfunden wird als in anderen. Und doch ist der Herbst nicht das Ende. Der Herbst geht hinüber zum Winter mit seinem Eis, seiner Kälte und Schnee. Doch bringt auch dieser nicht das Ende, sondern mit dem Frühling, der Sonne und der Wärme, kommt wieder neues Leben in die Welt. Eine weitere Erlösung. Und so geht es Jahr für Jahr. Erlösung von einem zum anderen. Es wird immer mal wieder besser, doch aufhören wird es nicht.
In diesem Kreislauf des Jahres gibt es viele kleine Unterbrechungen, dort wo tatsächlich etwas seinen Abschluss findet. Schauen Sie sich einen Bienenschwarm an. Die Bienen sammeln sich in der winterlichen Kälte um ihre Könige. Sie soll war bleiben, damit der Schwarm auch im nächsten Frühling wieder neu ausschwärmen kann. Aber im Laufe des eisigen Winters erfrieren viele Bienen. Wenn dann im Frühling der Schwarm mit seinen Königin von der Kälte erlöst wird, so sind diese Bienen nicht mehr dabei. Vielleicht mag so manche Biene dies bedauern, dass die Bienenkameradinnen nicht mehr diesen Frühling erleben konnten, oder eine Biene dies noch in ihren letzten Atemzügen gedacht haben mag, und auch ließe sich überlegen, dass so manche Biene im Winter ihre Erlösung gefunden hat, von der ewigen Sorge um die Wärme der Königin, dem Füttern und Putzen der Larven, dem Umherflliegen auf der Suche nach Pollen und der Produktion von Honig.“
„Wollen Sie mir damit sagen, dass nur der Tod Erlösung bringt?“ grunzte Herr Meyer recht unbefriedigt von der Erklärung.
„Das habe ich nicht gesagt“, antwortete seine Gesprächspartnerin, „ich habe lediglich zu bedenken gegeben, dass der erlebbare Jahreskreislauf niemals eine umfassende Erlösung im Wohlbefinden anbieten kann, da jede seiner Jahreszeiten zwar notwendig, doch im Absoluten lebensvernichtend ist. Aber dies gilt nur für den Rhythmus des Lebens im Großen und Ganzen. Im Kleinen jedoch endet Leben. Das Individuum stirbt. Es wird tatsächlich mit seinem Sterben erlöst von der Verantwortung Teil dessen zu sein, dass den Lebenskreislauf in Bewegung hält. Das mag zwar absurd erscheinen und für das Individuum unbefriedigend, aber so ist es halt.“
„Absurd ist das Stichwort“, konterte Herr Meier, „schon seit der frühesten Menschheitsgeschichte sind wir Menschen auf der Suche nach einem Sinn unseres Lebens. Und selbst wer keinen Sinn für sein Leben finden kann, der gibt sich halt selbst diesen Sinn aus den Dingen, die er für richtig erachtet und jetzt sagen Sie, den einzigen Sinn, das das individuelle Leben hat, ist das Leben im allgemeinen im Gang zu halten. Leben als Sinn an sich, an der oder die Einzelne aber nur noch als ersetzbares Teilchen beteiligt ist. Eine Maschinerie ohne Ziel und ohne inhaltliche Bestimmung, nur dass es weitergeht. Das hieße, dass die Sinnbestimmung des Individuums durch den Erhalt des allgemeinen Lebens bestimmt wird, dieses jedoch bis auf die eigene Erhaltung keinen eigenen Sinn hat.“
„Dem würde ich unter zwei Bedingungen zu stimmen“, meldet sich Herr Meyers Gesprächspartnerin, „zunächst hat die von Ihnen benannte Absurdität des Lebens grundsätzlich positive Seiten. Wenn der Lebensrhythmus lediglich den Sinn hat sich selbst zu perpetuieren, also sich selbst am Leben zu halten, so haben alle Individuum die Möglichkeit ihren Sinn des Lebens zu finden und zu gestalten. Das ist eine unglaublich Freiheit. Das allgemeine Leben, auch wenn es ohne Sinn erscheint, ist damit frei von der Fremdbestimmung einzelner und noch viel wichtiger, es ist auf das Individuum und seiner Sinnbestimmung gar nicht erst angewiesen. Das Leben fördert lebensfreundliche Bestimmung und lebensfeindliche Lebenseinstellungen werden relativ schnell verschwinden, weil sie sich selbst die Lebensgrundlage entziehen. Wenn also Individuen, Gruppen und Ländern sich eine Lebensbestimmung geben, die lebensfeindlich ist, so wird diese aus Sicht des umfassenden Lebens relativ schnell verschwinden, d.h. aber nicht, dass nicht auch viele andere unter dieser lebensfeindlichen Einstellung zu leiden hätten. Das System Leben kann sich also selbst erhalten, ohne dass es uns mit unseren guten und schlechten Ideen brauchen würde.
Das war die erste und nun kommt die zweite Bedingung, unter der ich ihnen zu stimmen würde: Der Sinn eines Lebens in diesem Lebenssystem, dass auch über dessen Ende hinaus noch Sinn ergibt, kann lediglich Bestand haben und als Erlösung empfunden werden, wenn es außerhalb des Lebens noch eine Existenz gibt. Wenn der Sinn des individuellen Lebens im Leben verbleibt und dort zu Ende geht, so gibt es nur eine Erlösung von der Sinnlosigkeit des Lebens ohne Aussicht auf Besserung. Wenn es aber etwas gibt, dass nach dem Ende des Lebens in Erscheinung tritt, so tritt der Mensch aus dem Leben in eine andere Existenz, die ihm Erlösung aus dem Jetzt und eine Sinn Bestimmung für das Jenseits gibt.“
„Hm…,“ konnte Herr Meyer nur darauf sagen und dachte angespannt darüber nach, was seine Gesprächspartnerin ihm gesagte hatte. Ihm ging vieles durch den Kopf und er wusste, dass er darüber noch lange nachdenken musste. Nicht weil die Gedanken so kompliziert waren, sondern weil, wenn er sie ernst nehmen würde, sie Einfluss auf die Sicht seines eigenen Lebens hatten. Und bevor er sich entschied, wollte er ganz sicher sein, dass er eine gute Entscheidung traf. Nun schob er die Gedanken beiseite, weil er seine Gesprächspartnerin nicht warten lassen wollte. Als er nun den Kopf hob, um sie das erste Mal in ihrem Gespräch direkt anzusehen und sich zu bedanken, da war der Platz auf der Bank neben ihm leer und niemand zu sehen. Vielleicht hatte er doch zu lange nachgedacht und sie musste schon gehen, überlegte er.
Er ging nach Hause, aufgestützt auf seinen Stock, sein Mantel hielt in warm und sein Hut trocken. Herbstlich war das Wetter, der Wind tanzte mit den Blättern und es wurde kalt. Und doch blieben Herrn Meyers Gedanken warm, beim Leben und der Erlösung.
Liebe Gemeinde,
die Geschichte von Herrn Meyer und seiner unbekannten Gesprächspartnerin eröffnet viele Gedanken, wie Leben und Erlösung einander gegenüberstehen können. Als Jesus über die Erlösung sprach, hat er es seinen Zuhörerinnen und Zuhören nicht leicht gemacht, indem er von Angst, Unwettern und Zeichen an den Gestirnen sprach, die das Ende aller Zeiten einläuten. Und doch ist diese Ende, das Jesus beschreibt, der Aufbruch in eine neue Zeit in eine neue Welt, der Anbeginn eines Sommers, der symbolisch mit dem Aufblühen eines Feigenbaum verbunden wird und einen Sommer voller süßer Früchte beschert.
Es ist das Ende, dass mit Angst verbunden ist, aber was hinter dem Ende liegt, ist die Schönheit des Lebens, die unendlich groß ist. Eine Erlösung, die es nicht besser macht, sondern die Leben erst mal enden lässt, um es dann neu erblühen zu lassen.
Erlösung bleibt so eines der vielen Geheimnisse unseres Glaubens. Jesus macht uns Hoffnung, dass es diese Erlösung gibt, nach der sich alle Kreaturen sehnen und doch ist sie nur schwer mit dem Kopf zu erfassen, weil es auch bedeutet, dass dieses Leben hier mit allen Menschen, die uns etwas bedeuten, und allen materiellen Gütern, die hart erarbeitet sind, nur nachrangige Priorität haben.
Das ist eine Herausforderung. Und doch, welche Alternativen gibt es? Wenn Leben zurückkehrt in die Hände Gottes und dort seine Erlösung erfährt, wenn die Erlösung Menschen zusammenbringt, die durch das Ende des Lebens getrennt wurden, wenn Leben bei Gott weitergeht, ist es dann nicht der Weg, der uns trotz mancher Herausforderungen am Ende zum Guten zusammenbringt?
Gedanken, die viel Vertrauen erfordern. Der letzte Satz Jesus in diesem Abschnitt lauten: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Sätze, die zum Vertrauen ermutigen. Eine Verheißung, dass der Weg zur Erlösung vielleicht nicht leicht, aber doch immer an der Hand desjenigen ist, der diese Worte zu seinen Jüngerinnen und Jüngern damals und zu uns spricht.
Amen.
Predigt 23.11.2025 (Johannes 5, 25 - 29)
24Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 25Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören, die werden leben. 26Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber; 27und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. 28Wundert euch darüber nicht. Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, 29und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.
Liebe Gemeinde,
heute steht ein Zweifaches vor uns: Erinnern und Gedenken.
Wir uns erinnern uns an die Menschen, die im letzten Jahr aus unserer Kirchengemeinde verstorben sind. Menschen, die wir kannten. Aber vor allem Menschen, die Euch, ihren Liebsten, wichtig und bedeutsam waren. Und so erinnern wir uns an nicht irgendwelche Menschen, sondern wir erinnern uns an Partner und Partnerinnen, Väter und Mütter, Großväter und Großmütter, Kinder, Freunde. Menschen, die uns lieb und teuer waren und die wir loslassen mussten.
Aber nicht nur an Sie erinnern wir uns allein, sondern auch an diejenigen, die vor ihnen gegangen sind und diejenigen, die nicht in unserer Gemeinde verstarben.
Heute hat die Erinnerung hier ihren Platz.
Erinnern tut gut. Sie macht uns zwar auf der einen Seite bewusst, was wir verloren haben. Und doch eröffnen sie uns einen Blick für die Zukunft: Sie zeigen uns die Richtung, was uns wichtig ist. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, was uns wertvoll geworden ist, was an Wertvollem entstanden ist, und die Aussicht in die Zukunft eröffnet die Möglichkeiten, was aus dem Wertvollem der Vergangenheit noch werden kann.
Nicht nur die Erinnerungen an die Verstorbenen leben mit Euch weiter. Es ist auch das, was Ihr gemeinsam geteilt haben, was heute noch da sein kann: Kinder, gemeinsam Erreichtes, Freunde oder auch Werte, die Ihr geteilt habt. Die erlebte Vergangenheit prägt die Zukunft und lässt an dem Guten festhalten.
Aber wir Erinnern uns heute nicht nur an die Menschen, von den wir uns verabschiedet haben, sondern wir Gedenken heute auch der Endlichkeit des irdischen Lebens, ein Schicksal, das wir alle miteinander teilen. Wie wir mit diesem Schicksal umgehen, entscheidet darüber, wie wir unser Leben sehen, wie wir mit den Abschieden des Lebens umgehen können und was wir mit dem, was hinter dem Tod liegt, verbinden.
Der Apostel und Evangelist Johannes überliefert Worte Jesu, die von dem, was hinter dem Tod liegt sprechen: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“
Das Wort Jesu, dass vom Tod zum Leben führt. In dem der Tod seine Macht verliert und zum Leben wird. Kein Leben wie jetzt, das unter dem Nachzeichen des Todes steht, sondern ein Leben, das unter dem Vorzeichen der Überwindung des Todes steht. Ein Leben in der Ewigkeit. Nicht mehr, nicht weniger verspricht Christus den Menschen, die an ihn glauben. Der Tod verliert die Macht über das Leben, weil dort das Leben nicht zum Ende kommt, sondern der Tod im Sterben überwunden wird, in einer Verwandlung zum Ewigen. Damit bleiben zwar Abschied und Trauer, und doch werden Sie ergänzt über den Trost, dass dort hinter dem Tod etwas Neues begonnen hat und mit uns auch wieder beginnen wird: die Verwandlung zu einem Leben in Ewigkeit, gelöst von dem Schweren der jetzigen Existenz, hin zu einer Lebendigkeit, die mit unseren begrenzten Maßstäben kaum vorzustellen ist.
„Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben“. Mit diesem Versprechen sind wir im christlichen Glauben an Jesus gebunden. Er hat uns, seiner Gemeinde, dieses Versprechen geben. Nicht ein Pfarrer, nicht die Kirche, nicht der Papst hält diese Versprechen in der Hand, sondern Christus, der Herr der Kirche, selbst. Aber auch keine ominöse Macht, keine wabernde Spiritualität, keine unpersönliche Gottheit, sondern Christus, Person geworden in einem Stall in Bethlehem, verklagt von seinen Glaubensgenossen, ans Kreuz geschlagen von den Heiden, doch am dritten Tage auferstanden von den Toten und aufgefahren in den Himmel. Jesus Christus ist mit seinem Leben, Sterben und wieder Eintreten ins Leben zum Vorbild unserer Lebendigkeit geworden. Von seiner Verheißung, die sich in seiner Biographie verwirklicht hat, hängt unser Glauben und unsere Hoffnung.
Die Person Jesus Christus wird somit zum Inhalt und Garanten unseres christlichen Glaubens. Schwer zu glauben und darauf zu vertrauen, dass ein Mensch, dieses göttliche Wesen ist, in dem der Tod überwunden sein soll. Dies zudenken und zu begründen war die schwerwiegende und bewegende Frage der Kirche, die sie neben dem Aufbau der neuen kirchlichen Strukturen und der Verfolgung im römischen Reich, die die ersten vier Jahrhunderte bestimmte.
Christus, wurde im Menschen Jesus und Sohn Gottes denkbar, als Garant des ewigen Lebens und der Überwindung des Todes. Christus, keine göttliche Gestalt, sondern ein anfassbarer Mensch, der seinem zweifelnden Jünger Thomas die Wundmale seiner Kreuzigung zur Berührung anbot. Fassbar und konkret ist uns der Sohn Gottes geworden. Und er darf dort glaubhaft und konkret werden, wo wir uns in Leid und Trauer befinden. An ihm dürfen wir uns festhalten, weil er den Weg durch das dunkle Tal vor uns gegangen ist. Wir dürfen Gott sagen, Jesus ist das konkrete Beispiel und Vorbild, das für unser Leben und alles was dazu gehört gilt. Darauf verlassen wir uns. Und daran wollen wir ihn, Gott, messen. Mit Jesus hat uns Gott einen tatsächlichen Maßstab in die Hand gelegt, konkret. Keine wachsweiche Gnade, die mal gilt und dann wieder nicht, sondern eine verlässliche Zusagen.
Der Apostel Paulus hat in ähnlicher Weise über die Auferstehung Christus von den Toten im ersten Brief an die Korinther gesprochen: „14Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich... 16Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. 17Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig.“ (1Kor 15).
„Wer mein Wort hört und glaubt“. Was ist nun dieses Wort Jesus, dem geglaubt werden soll und auf dem die Verheißung liegt? Ist es ein Wort, ist es eine Rede, ist es gar die Person Jesu selbst? Beim Evangelisten Johannes ist hiermit genau diese Spannbreite der Bedeutung dieses Satz angelegt. Sein Evangelium beginnt mit „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ (Joh 1,1) und dieses Wort wird immer mehr auf die Person Jesus hin konkretisiert. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14). Jesus das Wort Gottes, Christus, der die Worte Gottes spricht, der Sohn Gottes, der zum Garanten des Lebens wird.
Christus als das zu uns gesprochene Wort Gottes wird durch seinen Leben, seine Taten und seine gesprochenen Worte zur Verheißung des Lebens. Die Ewigkeit ist nur eine Handbreit entfernt, dort wo die Menschen, die wir heute schmerzlichst vermissen schon sind, dort wo auch wir hingehen werden und wieder mit Ihnen vereint sind, und Jesus garantiert uns den Weg. Auf ihn können wir uns bei Gott berufen. Er wird uns zum Vorbild, nicht in dem was wir tun müssten, sondern, was durch ihn geschehen ist, dass es auch mit uns geschieht.
Liebe Gemeinde,
Tod, Schmerz und Verlust sind nur schwer zu tragen. Einen billigen Trost soll und kann es nicht geben. Jesus, der für unsere Hoffnung steht, soll uns nicht gefühllos machen, für die Trauer des Abschieds. Und doch ist Christus eben die Hoffnung, die hinter der Trauer steht. Die uns vermissen und weitergehen lässt, die uns in der Niedergeschlagenheit aufstehen lässt, die uns trotzt aller menschlicher Unsicherheit mit Freude auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit blicken lässt.
Trauer, Zweifel und Glauben gehören zusammen, überwinden können wir diesen Dreiklang von uns aus nie, und doch lasst uns dem Vertrauen der Garant unserer Hoffnung sein möchte: Jesus Christus.
Amen.
Predigt 15.11.2025 (Hiob 14, 1-6 + 13 - 17)
1Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, 2geht auf wie eine Blume und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. 3Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, dass du mich vor dir ins Gericht ziehst. 4Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer! 5Sind seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann: 6so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut. 13Ach dass du mich im Totenreich verwahren und verbergen wolltest, bis dein Zorn sich legt, und mir eine Frist setzen und dann an mich denken wolltest! 15Du würdest rufen und ich dir antworten; es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände. 16Dann würdest du meine Schritte zählen und nicht achtgeben auf meine Sünde. 17Du würdest meine Übertretung in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen.
Liebe Gemeinde,
wir haben heute schon einiges gehört vom Frieden und vom Krieg. Und wir wissen viel, haben viel darüber nachgedacht. Keine und Keiner von uns hat den Beginn des Krieges in der Ukraine mit Jubel begleitet und niemand hat den Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober vor über zwei Jahre freudig begrüßt. Die Nähe des Krieges hat uns geängstigt, die Brutalität, wie Menschen mit Menschen umgehen, hat uns entsetzt. Da war keiner unter uns, der sich diesem nicht entziehen konnte.
Und dies sind nur zwei der kriegerischen Konflikte, die… – wenngleich prominent und regelmäßig in den Medien sind – die die Erde heimsuchen.
Warum tun wir uns Menschen nur das an? Frieden, den wollen wir doch alle. Ausnahmslos. Wir wollen ein friedliches Leben. Mit unseren Familien in Sicherheit leben und nicht von Ort zu Ort fliehen müssen. Wir wollen mit unseren Nachbarn kooperieren. Das gilt für alle Ebenen vom Leben im Dorf, zwischen den Kommunen bis hoch zu den Nationalstaaten.
Was hält uns davon ab? Ist es unser Egoismus? Der Drang dem Mitmenschen nicht mehr zu gönnen, als man auch selbst bekommen hat? Ist es die Gier nach Macht? Sind es einzelne, die ein System sprengen oder sind es alle, wo nur ein Funke das Feuer des Unfriedens entfacht?
Ist es die Unruhe des Menschen, von der Hiob spricht, und dem Bewusstsein, dass er nur eine kurze Lebenszeit hat, in welcher der Mensch, wir, seine Lebensziele verwirklichen kann? All das wenig, was er, der Mensch hat, und das viele, das er sich wünscht, eingesperrt in die wenigen Jahre, über die er verfügen kann.
Zufriedenheit, dies wäre ein Anfang. Der Tagelöhner, von dem Hiob spricht, hat nur genug für jeweils einen Tag und er freut sich auf den einen Tag, an dem er einmal Ruhe hat von der ewigen Plackerei.
Der Tagelöhner kann nicht zufrieden sein, da er seinen Lohn zum Überleben braucht. Er kann keine Ruhe finden, weil er erst Ruhe findet, wenn er in die ewige Ruhe eingeht.
Zufriedenheit ist für die, die es sich leisten können ein Anfang. Aber für die, die es sich nicht leisten können oder leisten wollen, keine Option.
Können wir es uns leisten zufrieden zu sein, um für den Frieden einzutreten? Wollen wir zufrieden sein?
Zufrieden sein bedeutet auch mit etwas zum Frieden gekommen zu sein. Etwas liegt mir in ausreichendem Maß vor, gehört mir. Das muss aber nicht für jeden Menschen gelten.
Unzufriedenheit ist manchmal ein Phantomsymptom. Weil uns etwas Essentielles fehlt, meinen wir es mit Dingen füllen zu müssen, die aber das Loch in unserem Leben, vielleicht auch in unserer Seele, nicht kleiner werden lassen.
Frieden scheint weit weg in unserer Zeit, in unseren Leben. Unfrieden prägte auch unsere Geschichte. Zeugnisse von Krieg und Gewalt, denen haben wir uns heute am Denkmal, und in ihren desaströsen Auswirkungen auch in den Lebenszeugnissen aus dem Holzland erinnert.
Es bleibt eine Aufgabe und eine Verantwortung für uns als Gesellschaft sich diesen Tendenzen der Friedlosigkeit entgegen zu stellen. Eine nahezu unmögliche Aufgabe, weil es keine einfachen Lösungen gibt. Ursachen, wie eine gerechte Verteilung von Reichtum, menschlicher Egoismus und Machtwille, sind kaum zu fassen und Auswirkungen, wie die militärische Verteidigung, die Belastung durch Aufnahme von Flüchtlinge und eine konsequente Integration, sind nur mit hohem Einsatz zu leisten.
Für den Frieden einzustehen bedeutet für uns als Gesellschaft in Deutschland einen Einsatz den wir nur gemeinsam schaffen können und wollen. Jede und jeder, die nur sich allein sehen, schaden am Ende nur. Jede und jeder, die die Probleme klein reden und vorgeblich einfache Lösungen anbieten, verstärken nur unseren Egoismus und das allgemeine Wegducken, was wir uns in keine Richtung mehr leisten können.
Vielleicht sind wir doch die Tagelöhner, die sich beim Frieden keinen Tag der Ruhe gönnen können. Die nicht zufrieden mit dem erreichten sein wollen.
Für Hiob ist aber dort die Reise das Tagelöhners noch nicht zu ende. Nicht die alltägliche und lebensbestimmende Plage ist das Ziel der Reise, sondern die Ruhe. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel, an dessen Verwirklichung wir uns im Diesseits bemühen, ist der Abglanz dessen, was wir uns in der Ewigkeit erhoffen. Im Buch des Predigers steht an einer Stelle, Gott habe dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt (Pred 3,11) und so auch den Frieden, den wir dort erwarten dürfen. Kein starres System ideologischer Prägung, kein wohliges Gefühl, sondern eine Sehnsucht, die uns vorantreibt, die mehr an uns als an dem anderen wirkt. Eine Sehnsucht, die uns aus dem Herzen spricht, und die, wenn wir aufmerksam zuhören, über den begrenzten Horizont unseres Lebens auf den ewigen Gott hinausweist.
Amen.